Klassentreffen 2009


Nach 5 Jahren des Wartens, all der Stunden der Sehnsucht und Hoffnung, ungezählten durchwachten und durchweinten Nächten in schweißgetränkten Laken war es viel zu schnell vorbei. Ich meine, überlegt euch den Wahnsinn: Da wartet man ungefähr 43.800 Stunden und nach längstens 16 Stunden ist alles Geschichte. Es war ein Klassentreffen des schlechten Timings.

Doch der Reihe nach.

Zuerst ging es in den Untergrund. Die 8 Interessierten, alles Jungens übrigens, trafen sich um 14 Uhr zur Besichtigung des Bunkers Fuchsbau, in dessen Schatten wir alle aufgewachsen wären, wenn er denn einen Schatten geworfen hätte. Na ja, vielleicht hat er ja einen geworfen, aber der war sicher auch geheim. Für 20 Euro konnten wir uns bei einer interessanten Führung davon überzeugen, dass dieses Bollwerk seinen Schrecken inzwischen verloren hat, sofern man sich nicht von der Tatsache erschrecken lässt, dass in seinem Innern noch immer gern der Felddienstanzug der NVA getragen wird. Robust und praktisch wie er ist.

Die Besichtigung, ohnehin schon verspätet begonnen zog sich und die Zeiger der russisch beschrifteten Uhren im Bunker näherten sich unaufhaltsam der 17. Schlechtes Timing. Also brach ich die Besichtigung ab und fuhr zum Bootshaus wo die ersten Klassenkameraden und, Überraschung: Frau Wenzek, schon ungeduldig warteten. Nach und nach vergrößerte sich die Runde, verstärkt durch unsere ehemaligen Klassenlehrer Herr Gnädig und Frau Günther. Zu trinken gab es erst einmal nichts, um zu sparen und übermäßigem Alkoholgenuss vorzubeugen, hatte ich die Getränke alarmanlagengesichert verschlossen. Unter schweren Misshandlungen gab ich meine Haltung bald auf. In Wahrheit war auch das: schlechtes Timing.

Der Preis für die athletischste Anreise geht in diesem Jahr übrigens an Birgit die sich nicht damit zufrieden gab von Erkner nach Fürstenwalde mit dem Rad zu fahren, sondern danach noch etwa 3 km in der Spree schwamm. Für Michael blieb leider nur der zweite Platz.

Regen war angedroht doch das Wetter hatte ein Einsehen und eine goldene Abendsonne, dunkle Regenwolken ignorierend, breitete ihr Licht über allerorts in Gespräche vertiefte ehemalige Schüler, Lehrer und Direktorinnen. Es galt, die Geschehnisse der letzten 5 Jahre auszutauschen und vieles kam dabei zu Tage Erstaunliches, Erschreckendes, Erfreuliches, Erbauliches, Betrübliches…..

Das Essen, wie immer auf’ s vortrefflichste gekocht von Detlef war, erwartungsgemäß, hervorragend. Liebevoll hatte er Bananen, Pfirsiche und Pflaumen gepflückt, Kartoffelsalat gemacht, ein Schwein tot gestreichelt und Vanillesoße gekocht. Der Brüller jedoch, und noch heute, Tage danach steigt mir ein Kloß in den Hals, wenn mich die Erinnerung daran einholt, war die Torte, die Detlef, für uns gebacken, ach was fasele ich: komponiert hatte. Und was der Geschmack der zart schmelzenden, völlig kalorienfreien Buttercreme und die luftige Konsistenz des auf der Zunge zergehenden Teiges in der zarten Seele des Schulabgängers von 1979 nicht vermochten, erledigte die Dekoration. Detlef verbuk dazu das offizielle Abschlussfoto der Klasse 10b von 1979. Danke für diese wundervolle Idee, Detlef.

Auch in diesem Jahr gelang es nicht, ein Klassenfoto bei ausreichend Tageslicht anzufertigen. Zunächst dachte ich an….schlechtes Timing aber in Wahrheit war es Fügung, denn für die Anfertigung des Fotos war die vorherige Lieferung der Torte Bedingung. Irgendjemand kam nämlich auf die glänzende Idee, das Foto von 1979 mit dem anwesenden Schülermaterial, soweit anwesend, nachzustellen. Gesagt getan. Sehr lustig, wozu unter anderem die Abwesenheit von Frau Barthel beitrug.

Schlechtem Timing allerdings ist der Umstand zu verdanken, dass der anschließende Anschnitt des Meisterwerkes der Backkunst nicht im Bild festgehalten werden konnte.

Das nächste Highlight ließ nicht allzu lange auf sich warten. Es erschien in Gestalt einer bauchtanzenden, schönen jungen Dame (und ICH habe ihre Telefonnummer!) Urheber dieser schönen Idee war Heike, die den Auftritt auch organisiert hatte. Ohne Übertreibung kann gesagt werden, dass der Vortrag sehr beeindruckend war. Leider kam es gegen Ende wieder zu einem Fall schlechten Timings. Das Feuerwerk, das ich bestellt hatte fing zu früh an (ich will mich nicht zu laut beklagen, ich musste es ja nicht bezahlen, das tat die Hochzeitsgesellschaft im Restaurant nebenan) und überschnitt den letzten Tanz. Das führte zur Teilung der Aufmerksamkeit des Publikums und dazu, dass vorübergehend keinem der Ereignisse die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Nach und nach lichteten sich die Reihen und die verbliebenen fanden sich um die Feuerschale ein die, gespeist von Holz aus dem Oderbruch (danke Uli) Licht, Wärme und …Qualm verbreitete. Die Gespräche wurden leiser und Jutta hatte ihr erstes Mal während der noch fast volle Mond die Szene beleuchtete. Schmeckte ihr gut, die Wasserpfeife, meinte sie.

Als der Morgen anbrach, blickten noch 3 Augenpaare mehr oder weniger versonnen in die verlöschenden Flammen.

Zusammen räumten wir noch ein wenig auf, fegten, wischten, bohnerten und wuschen ab….und wie nach jedem Klassentreffen war ich zu Hause, als es hell war. Und keine Minute hätte ich verpassen mögen. Ich freue mich wie wild auf unser Wiedersehen 2014. Haltet durch!

Credits:

Im Namen von allen dabei gewesenen grüße ich Angela, Heike aus Hamm und Ulrike die in diesem Jahr leider nicht dabei sein konnten. Andreas und Ute: Wir hoffen, es geht euch gut. Wir haben euch 5 vermisst.

Mir hat die Organisation großen Spaß gemacht und euer Lob hat mich sehr gefreut. Danke an euch alle, dafür dass ihr da ward, dankbar und unkompliziert seid. Besonders möchte ich mich bedanken bei Detlef für seine große Unterstützung beim Kochen, Heike für die Organisation der kulturellen Einlage und die Recherche, Uli für Feuerholz und die Flaschenabgabe, Tobias und Birgit für die Bilder. Dank an alle, die beim Aufräumen halfen: Martina, Jutta, Heike, Dani und Lutz…..