Klassentreffen 2014


Nun denn. Eigentlich kann der Bericht zum Klassentreffen immer gleich anfangen: 5 Jahre, Sehnsucht, Neugier, bla, gähn. Das war auch diesmal so. Doch es lag ein Schatten auf unserem Wiedersehen, ihr alle wisst, wovon ich rede. Dieter, unser Klassenlehrer, verstarb im vergangenen Jahr. Für viele war er weit mehr als ein Lehrer, er hat uns mit Gelassenheit und langer Leine durch die Wirren unserer Jugend geleitet, sanft geführt.  Ich vermisse ihn und ich weiß, viele von euch denken genau so. Aber er war da an diesem Abend. Irgendwie. In unseren Gesprächen und unseren Gedanken.  Es war trotzdem ein fröhlicher Abend. Vielleicht auch deswegen. Er hätte es gut gefunden. Ich werde seiner Frau ein Bild von uns bringen und ihr davon erzählen. Und sie von euch allen grüßen.

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Zum ersten Mal fand das Klassentreffen außerhalb von Fürstenwalde statt, zum ersten Mal gab es die Möglichkeit, zu übernachten. Zum ersten Mal gab es kein “Rahmenprogramm”. Ich hatte allerdings auch nicht den Eindruck, dass es jemand vermisst hätte. Hatte ich beim letzten Mal noch eigens einen Bunker anlegen lassen, ihn mit alter Technik vollgestopft und die Meldungen über die aktuelle Luftverteidigungslage abgefragt, war es in diesem Sommer einfach zu warm. Der eigentliche Grund war indes, dass das Störitzland, der Ort unseres Treffens, einfach zu tief im Wald liegt und das zweiköpfige Organisationskomitee einstimmig und in geheimer Wahl beschlossen hatte, keine Zeit mit herumgurken zu verbringen und alle Zeit dem Informationsaustausch zwischen uns zu widmen. Um 14:00 Uhr ging es los, und beinahe ohne Umschweife, und nur gelegentlich unterbrochen, um den Kaffee im Garten zu nehmen oder ein Stück Kuchen aus der Schulküche nachzuschieben, wurden Leben erzählt, dass es nur so eine Art hatte. Torsten erweiterte und bereicherte unseren Kreis zum ersten Mal. Ute fehlte uns und leider haben wir Ulrike nicht ausfindig machen können. Wenn also jemand Ulrikes Geburtsdatum weiß oder andere sachdienliche Hinweise machen kann….

Das Wetter war genial, der nahe See hätte zum Baden gelockt, wäre er nicht voller Taucher gewesen, die mit Sirenengesängen unbedarfte Mitschüler lockend, versuchten, dieselben auf Nimmerwiedersehen in die eisigen Tiefen des Störitzsees zu ziehen. Ähm, ich schweife ab. Dieses Mal gelang es, ein weiteres Novum, Bilder der versammelten Klasse zu machen, bevor die Sonne untergegangen war. Während wir uns dem Müßiggang und unseren Mitschülern widmeten, sorgten fleißige Hände für Essen.

Stück für Stück verlagerte sich der Mittelpunkt des Geschehens an den Strand, wo Uli ein Feuer von ungezählter Haltbarkeit entfacht hatte. Das Holz, aus biologischem Anbau und frei von Laktose und Geschmacksverstärkern hatte er eigens in seinem Kraftfahrzeug angekarrt, das, das sei an dieser Stelle dem interessierten Leser zur Kenntnis gebracht und lobend erwähnt, ein Hybridfahrzeug ist und mit umweltfreundlichen Hybriden fährt. Oder wie die Dinger heissen die auch Toaster antreiben. Thomas, unser alter Schallplattenunterhalter, der schon damals die Klasse mit Musik in Aufruhr zu versetzen wusste, imitierte in bester MacGyver Tradition mit einem Mobiltelefon, einem handelsüblichen Teller und einem Stück Wald ein komplettes 7.1 Dolby Digital Dings Soundsystem. Offensichtlich handelte es sich um ein Smartphone denn es war mit Thomas’ Hilfe so schlau zu wissen, was wir hören wollten. Das Blockflötensolo von Detlef wurde indes einstimmig abgewählt. Nächstes Mal Detlef, versprochen.

Die Gespräche nahmen kein Ende, der Kreis lichtete sich nach und nach doch so lange waren noch nie so viele geblieben. Der Sonnenaufgang fand die üblichen Verdächtigen am verlöschenden Feuer in Decken gehüllt, müde, leer geredet. Die Hoffnung, die Hintergrund der Entscheidung war, ein Klassentreffen mit Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren, noch den Vormittag gemeinsam zu verbringen, erfüllte sich leider nicht.

Und dann war es vorbei. Ich hatte das Gefühl, nicht alles erfahren, nicht mit jedem geredet zu haben. Aber so geht es mir jedes Mal. Ich hatte Spass mit euch und freue mich auf das nächste Mal. Auf Beschluss des Gruppenrates in 3 Jahren.  Ich möchte mich bedanken. Bei Martina zuerst, die mir die Korrespondenz abgenommen und mir damit bei der Organisation sehr geholfen hat. Bei Uli für zerhackte Bäume. Und bei euch natürlich, für euer positives Feedback, dafür, dass ihr immer noch Lust auf einander habt und so unkompliziert seid. Bleibt mir ja gesund.

P.S.: Birgit fand am Morgen danach ein paar Decken an der Feuerstelle und hat sie vorübergehend adpoptiert. Wer also seine Kuscheldecke vermisst, und bedenkt: der Winter steht vor der Tür und  wird der härtesten einer, möge sich bei Birgit oder Martina oder mir melden. Wir veranlassen dann die Familienzusammenführung.

Gorden